Dienstag, 14. November 2017

Letzte Chance (Falls ich dir etwas bedeute)

"Nicht abwarten, Tee trinken" Dr. Eckert von Hirschhausen schrieb das eins. Dieses Motto habe ich jetzt übernommen. Da ich eh sehr gerne Tee trinke und es mich glücklich macht, ist es besser als machtlos abzuwarten und nichts zu tun. Also trinke ich meinen Tee immer wenn ich traurig bin oder wieder einmal zu viel nachdenke. Manchmal saß ich einfach nur da und war traurig. Je länger ich saß und nachdenken konnte, desto trauriger wurde ich. Also nicht mehr abwarten, sondern Tee trinken. 


Möchtest du eine letzte Chance?
Bedeute ich dir denn überhaupt noch etwas?
Was ist aus deinen Überlegungen aus der Vergangenheit geworden, die du mir auf meinem Balkon an meinem Geburtstag noch mit einem Lächeln erzählt hast?


Ich hatte dir in der letzten Zeit einige Nachrichten gesendet und ich habe das Gefühl, dass es gar nicht mehr richtig bei dir ankommt. 
Ich weiß nicht, ob es dich noch irgendwie berührt.
Ich weiß gar nichts mehr über dich. 
Vielleicht sitzt du auch einfach da und stöhnst immer wenn ich dir eine Nachricht schreibe, weil du von mir einfach nur noch genervt bist. 
Eigentlich kann es mir auch egal sein.
Jedes Mal sitze ich da und mache mir Gedanken.
Ich zerbreche mir meinen Kopf und jedes Mal bricht ein kleines Stück meines Herzen.
Ich gebe dir noch immer diese Macht über mich. 
Das wird sich jetzt aber ändern.
Ich werde mich mal wieder von dir lösen. 


Vor einigen Wochen habe ich gemerkt, dass es mich alles nicht mehr so sehr berührt. Es bricht mir mittlerweile jedes Mal das Herz, wenn ich darüber nachdenke, wie dumm ich doch nur war. Ich legte mein Herz in die Hände eines Mannes, der es bis jetzt nicht zu schätzen wusste. Das glaube ich. Du gibst mir zur Zeit keinen Anlass, das anders zu sehen. Ich empfinde jetzt eher Wut statt tiefer Traurigkeit. Ich bin nicht mehr verliebt, sondern sauer. Du solltest wissen, dass du zwar immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein wirst, aber das verschafft dir jetzt keinen Platz in meinem Herzen mehr. Es tut mir auch weh, dass ich das so schreiben muss, aber ich empfinde es gerade nicht mehr anders. Es tut mir weh, dir weh zu tun... Wobei, das wird dich wahrscheinlich nicht mehr verletzen... 


Ich verabschiede mich auch von dir. Ganz förmlich. Ich möchte aber erst wissen, ob du dich dieses Jahr noch einmal bei mir meldest und ob du das hier liest. 
Es ist meine letzte Chance an mich selbst, dich doch noch in meinem Herzen zu lassen.

Montag, 23. Oktober 2017

Ein warmer Herbst für mein warmes Herz

Ich laufe durch die raschelnden, leicht nassen und klebrigen Blätter und lausche der Natur. Ich achte auf die letzen Vögel, die vorsichtig zu zwitschern beginnen. Sie sitzen auf verschieden dicken Ästen und lassen sich auf ihnen ruhig hin und her wiegen. Der Wind huscht durch den lichten Wald und wirbelt einige trockengebliebene Blätter auf. Sie berühren mein kalt gewordenes Gesicht, als sie vorbeifliegen.

Mit einem Mal durchfährt mich eine wohlige Wärme. Mein Herz wird ganz warm. Ich erinnere mich an frühe Kindheitstage. Zusammen mit meiner Schwester und meinem Papa lassen wir auf dem hellbraunen, trockenen, weitem Feld gemeinsam die Drachen steigen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie meiner aussah, aber ich weiß, dass ich ihn sehr mochte. Ich musste immer aufpassen, dass ich in meiner Bahn bleibe, damit sich unsere Drachen im Flug nicht verheddern. Verheddern: auch so ein seltsames Wort.

Einmal ließ ich den Drachen aus Versehen los. Ich war wohl zu übereifrig. Nun rannte ich so schnell es ging über den Acker, um die Schnur wieder einzufangen. Ich angelte immer und immer wieder vergeblich nach dem blauen Plastegriff, auf dem einmal die Schnur aufgewickelt war. Dabei konnte ich den unebenen Feldboden ziemlich gut ausblenden, muss ich sagen. Ich fiel hin. Mein Knie war noch Tage danach ziemlich aufgeschürft.
Bei dem Gedanken an das linke Knie überkommen mich Schmerzen. 
Unweigerlich muss ich an die bald bevorstehende OP im Januar denken. Nun verspüre ich ein wenig Angst. Ob dieser Eingriff mir etwas hilft? Ich habe schon so lange den Wunsch wieder zu rennen, Sport zu machen und vor allem in der kalten Jahreszeit aufs Eis zu gehen und Schlittschuh zu laufen.

Und so wird der Herbst zum Winter. Sehnsucht steigt in mir auf.
Schon immer war ich fasziniert vom Schnee. Einzig die warmen Sachen stören mich an der letzen Jahreszeit des Kalenders. Immer zwickt es irgendwo und man schwitzt eben doch darunter. Und diese kratzenden Mützen bringen mich jedes Mal aufs Neue zur Verzweiflung.

Eigentlich bin ich dann doch eher das Sommerkind, das sich tanzend im warmen Sonnerregen über das nasse Gras im Garten meiner Eltern bewegt. Ich bin gern außerhalb des Hauses, in der Natur und empfinde frische Luft stets als Entspannung. Ich stehe gern einfach am weit geöffneten Fenster oder laufe durch die Wälder und genieße die leichten Brisen, die zu mir dringen. Dabei müssen meine Haare stets offen sein, damit das sanfte Wehen des Windes meine Strähnen in mein Gesicht legen kann.

Und ab und an denke ich bei der empfundenen Freiheit an das weite Feld meiner Kindheit und begebe ich mich zurück zu meiner Schwester. Zurück zum Drachensteigen.

Samstag, 19. August 2017

Interesse an Geschichten von Personen

Ich mag Geschichten.Wahrscheinlich lese ich deswegen auch so gerne.
Aber ich verfolge nur Geschichten, die mich fesseln und zu denen ich einen Bezug habe. Ich brauche eine Verbindung zu ihnen.

Mich interessieren Geschichten, die mich berühren - oder berührt haben.
Daher habe ich auch Interesse an Geschichten von Menschen. Menschen, die ich kenne oder im Laufe der Zeit kennenlerne.

"Was ist wohl aus dir geworden? ... Wo du früher doch immer so aggressiv warst?!"
"Was ist nur aus dir geworden? Ich kenne dich nicht mehr, obwohl wir uns so nahe standen."
"Was wird wohl aus dir werden, wenn wir uns nicht mehr wiedersehen und keinen Kontakt haben?"

Das interessiert mich. Einfach nur die Geschichte von Personen.
Außer bei wenigen Personen... Da ist es nicht die Geschichte des Menschen, sondern das Interesse an der Person selbst.

"Ich wüsste gern' was mit dir los ist?!"
"Ich wüsste gern' was du machst."
       ... aber nicht weil mich interessiert was du machst, sondern weil ich dich vermisse.
       ... weil ich dich eigentlich wieder in meinem Leben haben möchte, aber weiß, dass es nicht geht.

Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich an deiner Geschichte zu interessieren und vielleicht irgend etwas von dir zu erfahren.
Nicht von dir persönlich, sondern auf Umwegen. Alles andere wäre zu gefährlich - zu naiv - vielleicht auch zu schmerzhaft.
Ich interessiere mich für dich! NEIN! ... für deine Geschichte.

Es ist nicht mehr der Mensch, der mich interessiert - muss ich mir einreden - . Nein das ist er nicht mehr.
Und du bist auch nicht mehr die Person, die du mal warst. Für mich nicht. Leider. Auch wenn ich es gern hätte - irgendwo. Und ich werde es nicht einsehen, dass du es nicht bist.
Aber es ist so! Irgendwo weiß ich das auch, aber ich werde es nicht verstehen.

Ich vermisse dich als Person. Trotzdem fällt es mir jeden Tag ein wenig leichter. (Oder rede ich es mir ein?) Es fällt mir leichter dich zu vermissen. Es fällt mir leichter zu akzeptieren, dass du nicht mehr da bist und ich dir egal bin.
Bist du mir egal? Wahrscheinlich wirst du es nie sein.

Während ich diesen Text hier verfasse, denke ich mir: "Wie dumm bist du eigentlich?! Etwas hinterher zu rennen, dass man nie wirklich hatte, nie haben wird und mittlerweile gar nicht mehr haben möchte."
Nein. Ich will dich nicht mehr. Ich will dich kennen, ich will Kontakt zu dir, aber ich will dich nicht mehr. Also kenne ich dich nicht mehr.

Oder ist das nicht doch zu hart? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ich mich eigentlich an deiner Person interessiere und mir nichts anderes übrig bleibt als Geschichten zu lesen, zu hören - Geschichten zu verfolgen.

Geschichten, die mich nicht mehr berühren. Nicht mehr so -
als wenn du sie erzählen würdest.

Sonntag, 23. Juli 2017

Plötzlich und dann damit gerechnet

Ich weiß noch gar nicht richtig, was ich schreiben soll.
Sonst schreibe ich über klare Emotionen, vielleicht auch einfach nur über Gedanken, aber jetzt weiß ich es nicht.

Ich weiß nicht, was ich empfinden soll und ich kann nicht sagen, worüber ich nachdenke. Es überschlägt sich alles. Die Zeit rennt und ist so vergänglich. Ich kann nicht fassen, was um mich herum passiert.

Es war der Todestag meiner geliebten Uroma.
Ich befand mich mitten in den letzten Prüfungsvorbereitungen für die erste Prüfung meines Semesters als ich eine Nachricht bekam. Ich war überrascht - und dann öffnete ich diese Benachrichtigung. Es ließ mich erschaudern und ab da empfand ich irgendwie nichts mehr.
Mein Opa liegt im Sterben. Krebs, aber diesmal im Endstadium und an einer anderen Stelle. Niemand weiß wie lange ihm noch bleiben würde.

Ich kann ihn nicht besuchen. Ich habe keine besonders gute Bindung zu ihm und ich will ihn dann erst Recht nicht im Sterben sehen. Ich möchte ihn in Erinnerung behalten, wie ich ihn aus einen der seltenen familiären Momente kenne.
Trotz der Distanz muss ich an diesem Abend die ganze Zeit weinen. Es überschlägt sich: Prüfungsstress, Alleinsein, Gewitter, Todestag und diese schreckliche Information. Ich kann es nicht einordnen, woran es liegt, aber muss weinen. Wegen Opa aber bin ich erstaunlich gefasst - denke ich.

Ich schreibe am nächsten Morgen meine Prüfung und denke in jeder Minute ohne Konzentration auf die Aufgaben daran, ob es denn schon neue Erkenntnisse gäbe und ob man mir nur nicht Bescheid gibt, weil ich in einer Prüfungssituation bin. Meine Augen sind aufgequollen und weniger geöffnet als sonst.
Es macht mich ein wenig sauer, dass ich es erst so spät erfahren habe. Zumindest glaube ich, dass sauer das passendste Wort ist. Ich hätte ihn vielleicht eben doch besucht, wenn ich mich ein wenig darauf hätte einstellen können - so wie der Rest der Familie. Mir sagte man einfach nicht Bescheid.

Nun rechne ich jedem Moment mit dem nächsten Anruf.
Ich bekomme Schweißausbrüche und Kreislaufbeschwerden. Ich möchte ihn besuchen, kippe aber selber fast um und traue es mir nicht zu.
Abend bin ich bei Freunden, weil ich mich selbst nicht wieder fit bekommen habe und mich ablenken will.

Es ist kurz nach Mitternacht. Meine Schwester bekommt einen Anruf. Sie sagt mir nicht von wem, aber ich erkenne, dass es ein kurzer Name ist.
Ich rechne mit DEM Anruf. Sie bittet mich zu sich und überreicht mir das Telefon. Ich gehe ran und vernehme eine bekannte Stimme. Im gleichen Augenblick fängt meine Schwester im Nebenraum an zu weinen. Die Worte am Telefon verblassen und ich nehme die Nachricht gar nicht richtig auf, aber ich weiß genau was hier los ist.
Ich beende das Gespräch und bewege mich wie ferngesteuert in Richtung meiner Schwester und nehme sie in meine Arme. Ich halte sie ganz fest.
Es wird besser.

Jetzt - 2 Tage später habe ich noch immer nicht geweint. Es trifft mich dennoch auf eine komische Art und Weise. Beim Schreiben füllen sich meine Augen mit Tränen, aber keine Emotionen, die mich zu übermannen versuchen. Ich bin noch immer gefasst.
Ich weiß nicht wirklich was ich schreibe. Ich weiß nicht was ich empfinde. Ich weiß nicht, wie es jetzt weiter geht.
Ich habe das Gefühl, dass seit der Prüfung vielleicht 10 Stunden vergangen sind, aber ich habe schon zwei Nächte versucht zu schlafen. Es müssen also schon Tage sein.

Ist es der Tod, der mir die Emotionen nimmt oder sind sie mit dem Verlust meines Opas einher-"gegangen"? Ich habe das Gefühl in einer Schockstarre zu sein, obwohl ich weiterhin funktioniere. (Ob ich die nächste Prüfung jedoch schaffe, weiß ich nicht.)
Oder ist es so, dass ich mit der Situation gut umgehen kann? Ich weiß es nicht.

Es ist der zweite Verlust innerhalb meiner Erinnerungen, den meine Familie erfahren muss. Bin ich deswegen so abgeklärt? Sind meine Emotionen durch den Todestag schon so sehr verbraucht? Erreicht es nicht das gleiche "Level"? Oder liegt es an der Tatsache, dass man manche Menschen eher loslassen kann? (siehe Post vom 22.07.2016)

Ich wünsche mir, dass ich für meine Familie stark sein kann.
Und jetzt die ersten Tränen.

Montag, 26. Juni 2017

Mehr als ich konnte

Ich weiß noch nicht, wie das alles enden wird, aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.

Vor einigen Wochen hatte ich dich aufgenommen. Anfangs war ich sehr skeptisch, weil mir einige gesagt haben, dass ich das nicht tun müsste.
Ohne überlegen hatte ich dich zu mir in die Wohnung und somit in meine Privatsphäre gelassen. Mein Freund war nicht so recht begeistert, aber er verstand, dass ich es für meine Familie tun wollte. Ich konnte mir nicht nachsagen lassen, dass ich dir nicht geholfen habe, obwohl ich es gekonnt hätte.

Aber ich gebe zu, ich hatte Angst.
Ich glaube sogar, dass es berechtigt ist. Es ist nicht leicht seine eigene Mutter in deine Beziehung quasi zu integrieren. Es war anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig und auch ein wenig aufreibend, aber ich habe es für dich getan.
Nach ein paar Wochen gewöhnte ich mich daran, aber ich merkte, dass ich mehr und mehr zu Spannungen kam. Ich wollte mich auch nicht daran gewöhnen, weil ich weiß, dass mein Freund das auf Dauer nicht könnte und ich konnte es auch nicht. Es wurde mit einem Mal doch anstrengend. Ich dachte daran, dass ein Ende zu finden sein müsste und bereitete mich darauf vor.

Ich weiß noch nicht, wie das Enden wird, aber ich bin ehrlich stolz auf mich. Ich konnte meiner Familie helfen. Mehr als es selbstverständlich zu sein scheint. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe und trotzdem habe ich Angst. Angst vor dem Ende.
Wirst du es verstehen, dass es nicht mehr geht? Werde ich meine Beziehung ohne einen Streit darüber glücklich halten dürfen? Ich habe Angst vor Vorwürfen. Vorwürfe darüber, dass ich dir nicht ausreichend geholfen habe. Und ja ich habe ein schlechtes Gewissen. Warum? Ich weiß es nicht, denn eigentlich gibt es keinen rationalen Grund. Gefühle sind aber nicht rational.

Was wenn du das nicht verstehen kannst? Was wenn wir uns streiten? Werde ich trotzdem ein Danke hören oder wird diese Zeit nachträglich doch so einiges kaputt machen? Davor habe ich am Meisten Angst. Wie gesagt, ich hoffe, dass du es einfach verstehen kannst und ich dir nicht auf Dauer helfen kann. Ich habe mein eigenes Leben und muss mich darum kümmern.

Vielleicht klingt das alles ziemlich hart. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich merke nur, dass es mich wirklich beschäftigt und mich anfängt langsam zu zermürben und das musste ich beenden. Ich brauche klare Verhältnisse.
Ich wünsche uns einen angenehmen Übergang.

Danke Mami!

PS: Ich bin stolz auf mich. Sei du bitte dankbar. Mehr brauche ich nicht.

Samstag, 24. Juni 2017

Glücksgefühle am Vormittag


Glücksgefühle am Vormittag

Ich  weiß nicht, was heute anders ist, aber es gefällt mir.


Seit ich das erste Mal aufgewacht bin, fühle ich mich glücklich. Nicht vergleichsweise "normal glücklich", sondern irgendwie intensiver.


Als mein Freund heute früh von der Nachtschicht kam, war ich nicht sonderlich wach, da ich erst spät ins Bett ging. Dennoch war ich auch nicht im Halbschlaf. Ich nahm wahr, wie er das Zimmer abdunkelte und sich dann zu mir legte. Es war unfassbar schön. Seine Wärme zu spüren und sein Atmen zu hören. Er kuschelte sich kurz an mich heran, bevor er sich umdrehte.

Ich musste hinterher und ihn einfach in den Schlaf streicheln. Auch wenn ich das sonst auch gern mache, so war es heute besonders schön. Langsam vergaß ich beim Genießen der Situation weiter zu streicheln und schlief selbst noch einmal für eine Stunde ein.


Ich stand auf.
Es war nicht sonnig, aber auch nicht regnerisch draußen. Trotzdem erfreute ich mich sehr an der frischen Luft und ließ den ganzen Vormittag die Balkontür offen. Ich hörte überwiegend Autos. Zwischendurch vernahm ich Kinderlachen und auch mal den einen oder anderen Vogel. Ich musste oft lächeln. In meinen Lernpausen ging ich nach draußen. Ich vernahm die erste rote Sauerkirsche an dem Baum direkt vor meinem Balkon. Auch wenn ich vorher wusste, dass sie noch nicht reif war, musste ich sie probieren. Die Kirsche war verdammt sauer und auch noch ein wenig bitter. Ich musste Lachen. Meine eigene Blödheit musste aber auch bestraft werden.

                                                                                  
Bevor ich weiter lernte, musste ich nach meinem Freund schauen.
Ich weiß auch hier nicht warum, aber ich wollte ihn einfach nur kurz sehen. Ich stellte mich in die Schlafzimmertür und beobachtete ihn etwa eine viertel Stunde beim Schlafen. Am Liebsten wäre ich zu ihm ins Bett gekrochen und hätte mich an ihn geschmiegt, aber dann hätte ich ihn geweckt. ... Und es sah so süß aus wie er schlief. Ich verspürte ein starkes Kribbeln im Bauch. Es ist unfassbar, was dieser Mann mit mir macht.


Noch nach 1,5 Jahren verspüre ich ein so starkes Kribbeln im Bauch, wie ich es zuvor nicht mal in einer Kennenlernphase hatte. Ich glaube einfach, dass wir uns endlich gefunden haben. Es ist nicht erklärbar, warum gerade mein erster Freund der Richtige sein soll, aber es scheint einfach der Mann für mich zu sein.


Der ganze Vormittag verlief trotz Uni-Stress ganz gut und ich hatte immer wieder Glücksmomente und ein Lächeln im Gesicht. Ich glaube, das wird mein Wochenende. Ich freue mich schon darauf! 


Samstag, 20. Mai 2017

Wahre Liebe


Die Frage nach der wahren Liebe stellen sich sicher viele. Einige zweifeln an ihr, andere vertrauen absolut darauf. Ich war eigentlich immer eine aus der letzten Gruppe, aber jetzt bin ich dazwischen.

Warum?
Du denkst, jemanden zu kennen, der perfekt zueinander passt. Sie haben Alles geschafft und lieben sich abgöttisch. Beide geben gleichermaßen viel in diese Beziehung und opfern sich komplett - ohne einander nach etwas anderem zu sehen. Sie mussten viel durchmachen und standen oft vor schwierigen Situationen. Sie meisterten es ohne an der Liebe zu zweifeln Die Beziehung ist so unnormal schön, dass sie fast zu schön erscheint um wahr zu sein. Jetzt ist es vorbei. Eine der beiden hat sich für die Freiheit entschieden und geht nun ihren eigenen Weg. Der Betracht der wahren Liebe der Beiden fällt nun weg.

Aber ich habe ja noch meine eigenen Liebe.
Auch wenn ich in den letzten beiden Wochen gezweifelt habe, dass es die wahre Liebe heutzutage noch gibt, freue ich mich auf die Zukunft mit meinem Freund. Heute gab es einen Moment, den ich so nie erwartet habe. Ich bin ja eine hoffnungslose Romantikerin das sollte mittlerweile jeden bekannt sein, der mit mir zu tun hat. Eben habe ich das mal auf einer unerwarteten Ebene spüren können. Mein Freund scheint auch etwas hoffnungslos-romantisches in sich zu haben. Oder vielleicht ist es einfach nur dieses Ehrliche, Unverfangene. Diese Liebe von ihm ist so aufrichtig, dass sie mich immer wieder rührt. Es tut so gut, dass dieses Gefühl in dir jemand teilt. Und nicht irgendjemand, sondern deine wahre Liebe. Wie ich schon einmal geschrieben habe, sind wir uns nach acht Jahren wieder begegnet und in die Arme gefallen. Unsere Herzen haben wieder zu einander gefunden und diese Liebe hat eine ganz besondere Ebene. Anfangs hatte ich unheimliche Angst, dass er mit mir nicht klarkommen könnte, aber er zeigt mir das Gegenteil. Es erfüllt ihn mit Freude bei mir zu sein, auch wenn es bedeutet mich manchmal pflegen zu müssen.

Dieser eine Moment:
Ich lief auf Krücken durch den Flur, den er gerade durch das aufräumen so voll gestellt hatte, dass ich so halb auf meinen Stelzen tanzen musste. Als ich in der Küche ankam und vor ihm stand küsste er mich. Er nahm meinen Nacken in seine Hände und zog mich an sich. Unsere Lippen berührten sich sanft und im Laufe des Momentes wurde der Kuss immer inniger. Ich schmolz so dahin und dann sagte er, dass es der schönste Augenblick seines gesamten Lebens bisher sei. Er könnte noch nicht einschätzen wie es später wird, weil er unsere Kinder ja noch nicht kennengelernt habe, aber im Moment könne er nicht glücklicher sein. Und das sprach mir irgendwie aus dem Innersten meiner Seele. Wir sind uns einfach so ähnlich und glücklich mit einander. Es tut so gut.

Ich hoffe, dass genau dieser Mann die wahre Liebe für mich ist. Bei ihm war ich schon immer so aufgehoben und fühle mich Zuhause. Meine erste große Liebe, und hoffentlich darf ich ihn immer so offen lieben, wie in diesem Moment. Danke <3

Dienstag, 18. April 2017

Befreiung

Ich hatte letztes Wochenende Geburtstag und ich habe ihn gefeiert. Ich habe mich gefeiert. Einfach mal das gemacht, was ich wollte. Und ich habe gefeiert, mit wem ich wollte.
Ich gebe zu, es war nicht der entspannte Abend, den ich mir erhofft hatte, aber es war ein aufschlussreicher Abend.

Ich nahm mir etwas vor. Diesen Gedanken hatte ich schon eine Weile mit mir herumgetragen und für diesen Abend konnte ich mir einplanen, mich davon zu befreien. Etwas lag auf meinem Herzen und das musste ich klären. Und ich habe es geklärt.

In einem Gespräch mit meinem Kryptonitmenschen befreite ich mich von einigen Sachen. Dabei war es zu keinem Zeitpunkt ein unangenehmes Gespräch. Es tat gut, es gab keine komische Spannung zwischen uns und es war trotzdem vertraut. Dann sagte er etwas, was mich sehr verwunderte. Ich weiß nicht, ob er mein Erstaunen gemerkt hat. Noch viel eigenartiger waren aber meine Empfindungen dabei. Auf den Fakt, dass er über ein UNS nachdachte, also ein vergangenes Uns, bliebt ich erstaunlich entspannt. Die Frage, was gewesen wäre wenn, fühlte sich auf einmal nicht mehr schmerzhaft an. Es war schön - nicht traurig. Und das verwunderte mich. Ich kann es nicht erklären, aber es schien das verlorene Stück meines Puzzles zu sein. 

Ich merkte, dass ich die Vergangenheit scheinbar bereits akzeptiert habe. Meine Gefühle haben sich nicht verändert, aber ich habe sie akzeptiert. Es tat gut. Das zu merken, war wie eine Befreiung. Natürlich bedeutet er mir viel und natürlich wird das immer so sein. Es wird Zeiten geben, da wird es nicht leicht sein, aber Akzeptanz scheint der Schlüssel für die Befreiung zu sein.
Ich beginne mich selbst und meine Gefühle langsam komplett zu akzeptieren. Es schmerzt immer und immer weniger, wobei die Gefühle wie gesagt bleiben. Der Zustand des Kryptonit verändert sich nicht. Bei mir jedenfalls nicht und ich muss sagen, dass ich nun froh darüber bin.

Es mag für Außenstehende schwer nachvollziehbar sein, aber ich bin froh über diese Besonderheit einer zwischenmenschlichen Beziehung. Meinem Kryptonitmenschen. Gerade, dass dieses Kryptonit empfinden kann, macht mich irgendwie glücklich. Diese intensiven Träume, diese hoffnungslosen Wünsche und eben die schwere Verarbeitung dieser Situation. 

Verrückt!
Aber auch befreiend. 

Es scheint, als hätte ich die Schwierigkeit dieses Themas hinter mir gelassen und nehme es jetzt einfach hin. Auch wenn ich wusste, dass ich es einfach akzeptieren muss, war es für mich nicht einfach. Die jetzige "Lösung" scheint jedoch nun wirklich leicht zu sein. Man muss aber erstmal dahin kommen.

Also "einfach" aushalten, bis du es akzeptieren kannst. Ich helfe dir wenn du mich fragst.


PS: ... Vielleicht war es aber einfach auch der Fakt, dass er zugegeben hat, auch darüber nachzudenken, aber das scheint mir eigentlich nicht der Fall zu sein... Wer weiß.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Das unebene Bett

Ich lege mich mit meiner Liebe in das Bett. Wir müssen morgen früh raus und wollen schlafen. Ich kann noch nicht... Ich weiß nicht wie ich liegen soll.

Seit Wochen diese Schmerzen. Ich bewege das Kissen unter meinem Knie und hoffe, dass es jetzt geht. Ich bin zu hibbelig. Er dreht sich auf die Seite. Dreht sich weg von mir. Auch er hat Knieschmerzen und kann anders nicht liegen.
Ich kraule seinen Kopf, damit ich mich beruhige. Seine weichen Haare sind so sanft wie Watte. Es beginnt mich runter zu bringen.
Autsch. Mein Knie meldet sich. Ich kann nicht auf dieser Seite liegen. Es schmerzt.
Moment... Ist die Matratze uneben? Es fühlt sich am als wären da lauter Hügel auf denen ich liege. Ich bemerke nun aber, dass mein Knie dick ist. Das ist es, was wirklich hügelig ist. Ich verzweifle. Schon wieder muss ich mich umdrehen. Ich weiß nun echt nicht mehr, wie ich liegen soll.

Ich lege mich auf den Rücken. Für mich die unsschönste Liegeposition.
Ich fange an nachzudenken. Ich bin deprimiert, weil es jeden Abend das selbe ist. Ich habe mittlerweile keine Lust mehr auf mein Bett. Dabei habe ich es noch vor zwei Monaten geliebt. Es ist schrecklich.
Und wieder holt mich der Schmerz aus meinen Gedanken. Diesmal das andere Knie. Seit ein paar Tagen ist es nun auch dieses Knie.

Mal wieder bin ich den Tränen nahe. Ich konzentriere mich jetzt auf seine Atmung. Er schläft jetzt bestimmt schon seit einer dreiviertel Stunde. Wieder beruhigt er mich. Ich drehe mich nocheinmal um und schlafe langsam ein.

Weckerklingeln. Sein Wecker. Meine Schmerzen. Und wieder eine Nacht nach der man sich nicht auf das Bett an Abend freut. Aber er wird wieder darin sein und mich beruhigen. Im huckligen Bett. Das wird schon. Durchhalten.

Dienstag, 24. Januar 2017

Einmal sehen wir uns (wieder)

Lieber Opa __ ,

Ich habe dieses Lied gehört. Dir wurden deine letzten Minuten auf der Erde mit diesem Musikstück geschenkt bevor du von hier gegangen bist. Leider viel zu früh.

Ich hätte mir für dich gewünscht, gesund deine Enkel aufwachsen zu sehen. Ich kenne dich kaum und trotzdem bringt es mich oft zum weinen, dass du nicht mehr hier sein kannst.

Du wärst so stolz auf ihn. Es ist erstaunlich, wie er sich gemacht hat und was er erreicht. Und trotz seines erfolgreichen und schönen Lebens fehlst du ihm so unendlich. Vielleicht auch gerade deswegen. Er würde sein Leben so gern mit dir teilen und ich auch. Wenn er von dir redet, ergreift es mich mit einer Tiefe, die ich nicht erklären kann. Im Nachgang weine ich oft im Stillen, weil dieses Vermissen von ihm auch mich vermissen lässt.

Du kennst mich nicht, aber ich möchte dir danken.
Du gibst mir das Gefühl immer da zu sein und über sie zu wachen. Über deine Familie, die dich so unendlich vermisst. Danke, dass du Kräfte entfalten kannst und deinen Lieben die Wärme gegeben hast, die dein Körper leider verlieren musste. 

Ich hätte dich gern kennengelernt und ich weiß, wie wichtig das für deinen Enkel gewesen wäre. Ich frage mich, ob du mir deinen Segen gegeben hättest, in eure Familie einzutreten.

Ich danke dir für das Gefühl, welches ich spüre immer wenn ich an dich denke. Ich bin mir sicher, dass du einer der wundervollsten Menschen auf dieser Welt warst.

Ich verspreche dir absolut aufrichtig zu lieben und zu kämpfen solange ich kann, denn das ist das mindeste was ich für dich erwiedern kann.

In engster Verbundenheit
S.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Zugbegegnung

Es ist früh 7 Uhr morgens.
Ich steige nach einer schlaflosen Nacht in den Zug ein und hoffe, dass ich nicht der Person begegne, die mich ein wenig verfolgt hat. Zumindest fühlte ich mich verfolgt.
Ich suche einen Platz in Fahrtrichtung. Als ich einen fand, plazierte sich eben ein Mann diesem Platz gegenüber. Er fragte mich, ob er seinen Rucksack wegnehmen solle. Ich verneinte mit der Äußerung: "Lassen Sie ihn stehen. Ich stelle meinen dann einfach neben Sie.". Er lächelt mich an und ich wundere mich. So viel Aufmerksamkeit habe ich von einem Zugpassagier absolut nicht erwartet, wo doch gerade um die Uhrzeit fast ausschließlich laute,  nervige und rücksichtslose Berufsschüler sitzen. Ich freue mich also einfach nur. Während  dieser Gedanken schaue ich den Mann vor mir an. Er ist unglaublich groß, hatte lange lockige Haare und etwas Bart. Er erinnert mich an einen fernen bekannten, doch diese Ähnlichkeit wird auf einmal verdeckt. Verdeckt von seinem Eigengeruch. Es ist verrückt. Dieser Geruch erinnert mich plötzlich an jemand ganz anderen. Dieser prägende süßliche Duft einer ehemals sehr vertrauten Person. Auf einmal habe ich ganz andere Gedanken. Mich fängt der Kampf zwischem einem Einatmen und mich erinnern oder zwischen flachem Atmen, um mich eben nicht erinnern zu müssen. Die Fahrkartenkontrolle holt mich aus diesen Gedanken... Zumindest fast, denn meine Nase atmet ein... Es ist krass. Wirklich verrückt. Ich habe diesen Geruch noch nie an einer anderen Person vergleichen können. Ich schaue auf das mäppchen, dass er heraussucht, um seine Fahrkarte zu finden. Hellblau. Ein niedliches blau... Ich weiß nicht, was mir durch den Kopf geht.
Abbruch... Der Zauber ist weg. In seinem mäppchen befindet sich Tabak und Hüllen zum Drehen von Zigaretten. Er hätte das nie gemacht. Nicht vor mir. Nichtmal in Gedanken kann ich mich damit anfreunden.

So endet der Moment, ich atme tief ein und rieche nichts mehr. Absolut nichts außer mein Parfum. Der Tag beginnt und ich bin plötzlich hellwach.