Montag, 23. Oktober 2017

Ein warmer Herbst für mein warmes Herz

Ich laufe durch die raschelnden, leicht nassen und klebrigen Blätter und lausche der Natur. Ich achte auf die letzen Vögel, die vorsichtig zu zwitschern beginnen. Sie sitzen auf verschieden dicken Ästen und lassen sich auf ihnen ruhig hin und her wiegen. Der Wind huscht durch den lichten Wald und wirbelt einige trockengebliebene Blätter auf. Sie berühren mein kalt gewordenes Gesicht, als sie vorbeifliegen.

Mit einem Mal durchfährt mich eine wohlige Wärme. Mein Herz wird ganz warm. Ich erinnere mich an frühe Kindheitstage. Zusammen mit meiner Schwester und meinem Papa lassen wir auf dem hellbraunen, trockenen, weitem Feld gemeinsam die Drachen steigen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie meiner aussah, aber ich weiß, dass ich ihn sehr mochte. Ich musste immer aufpassen, dass ich in meiner Bahn bleibe, damit sich unsere Drachen im Flug nicht verheddern. Verheddern: auch so ein seltsames Wort.

Einmal ließ ich den Drachen aus Versehen los. Ich war wohl zu übereifrig. Nun rannte ich so schnell es ging über den Acker, um die Schnur wieder einzufangen. Ich angelte immer und immer wieder vergeblich nach dem blauen Plastegriff, auf dem einmal die Schnur aufgewickelt war. Dabei konnte ich den unebenen Feldboden ziemlich gut ausblenden, muss ich sagen. Ich fiel hin. Mein Knie war noch Tage danach ziemlich aufgeschürft.
Bei dem Gedanken an das linke Knie überkommen mich Schmerzen. 
Unweigerlich muss ich an die bald bevorstehende OP im Januar denken. Nun verspüre ich ein wenig Angst. Ob dieser Eingriff mir etwas hilft? Ich habe schon so lange den Wunsch wieder zu rennen, Sport zu machen und vor allem in der kalten Jahreszeit aufs Eis zu gehen und Schlittschuh zu laufen.

Und so wird der Herbst zum Winter. Sehnsucht steigt in mir auf.
Schon immer war ich fasziniert vom Schnee. Einzig die warmen Sachen stören mich an der letzen Jahreszeit des Kalenders. Immer zwickt es irgendwo und man schwitzt eben doch darunter. Und diese kratzenden Mützen bringen mich jedes Mal aufs Neue zur Verzweiflung.

Eigentlich bin ich dann doch eher das Sommerkind, das sich tanzend im warmen Sonnerregen über das nasse Gras im Garten meiner Eltern bewegt. Ich bin gern außerhalb des Hauses, in der Natur und empfinde frische Luft stets als Entspannung. Ich stehe gern einfach am weit geöffneten Fenster oder laufe durch die Wälder und genieße die leichten Brisen, die zu mir dringen. Dabei müssen meine Haare stets offen sein, damit das sanfte Wehen des Windes meine Strähnen in mein Gesicht legen kann.

Und ab und an denke ich bei der empfundenen Freiheit an das weite Feld meiner Kindheit und begebe ich mich zurück zu meiner Schwester. Zurück zum Drachensteigen.

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