Donnerstag, 5. Januar 2017

Zugbegegnung

Es ist früh 7 Uhr morgens.
Ich steige nach einer schlaflosen Nacht in den Zug ein und hoffe, dass ich nicht der Person begegne, die mich ein wenig verfolgt hat. Zumindest fühlte ich mich verfolgt.
Ich suche einen Platz in Fahrtrichtung. Als ich einen fand, plazierte sich eben ein Mann diesem Platz gegenüber. Er fragte mich, ob er seinen Rucksack wegnehmen solle. Ich verneinte mit der Äußerung: "Lassen Sie ihn stehen. Ich stelle meinen dann einfach neben Sie.". Er lächelt mich an und ich wundere mich. So viel Aufmerksamkeit habe ich von einem Zugpassagier absolut nicht erwartet, wo doch gerade um die Uhrzeit fast ausschließlich laute,  nervige und rücksichtslose Berufsschüler sitzen. Ich freue mich also einfach nur. Während  dieser Gedanken schaue ich den Mann vor mir an. Er ist unglaublich groß, hatte lange lockige Haare und etwas Bart. Er erinnert mich an einen fernen bekannten, doch diese Ähnlichkeit wird auf einmal verdeckt. Verdeckt von seinem Eigengeruch. Es ist verrückt. Dieser Geruch erinnert mich plötzlich an jemand ganz anderen. Dieser prägende süßliche Duft einer ehemals sehr vertrauten Person. Auf einmal habe ich ganz andere Gedanken. Mich fängt der Kampf zwischem einem Einatmen und mich erinnern oder zwischen flachem Atmen, um mich eben nicht erinnern zu müssen. Die Fahrkartenkontrolle holt mich aus diesen Gedanken... Zumindest fast, denn meine Nase atmet ein... Es ist krass. Wirklich verrückt. Ich habe diesen Geruch noch nie an einer anderen Person vergleichen können. Ich schaue auf das mäppchen, dass er heraussucht, um seine Fahrkarte zu finden. Hellblau. Ein niedliches blau... Ich weiß nicht, was mir durch den Kopf geht.
Abbruch... Der Zauber ist weg. In seinem mäppchen befindet sich Tabak und Hüllen zum Drehen von Zigaretten. Er hätte das nie gemacht. Nicht vor mir. Nichtmal in Gedanken kann ich mich damit anfreunden.

So endet der Moment, ich atme tief ein und rieche nichts mehr. Absolut nichts außer mein Parfum. Der Tag beginnt und ich bin plötzlich hellwach.

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