Freitag, 6. November 2015

Verlorener Brief, der niemals seinen Empfänger erreicht

Lieber J.,

Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich es vermag dich zu vermissen. Du fehlst mir wieder jeden Tag mehr. Am Anfang hatte ich Hoffnung, nachdem unser Treffen so überraschend gut lief, aber mittlerweile gehen mir die Ausreden aus, warum du dich wohl nicht melden wirst. Ich rechtfertigte es mit Stress und Gedanken voller neuen Eindrücken. Mittlerweile weiß ich, dass du mich vergessen hast. Ich bin nicht mehr in deinem Leben und das schmerzt. Es ist nicht mehr ganz so schlimm, wie es noch vor 3 Monaten war. Ich weiß nicht, ob es wieder so wird. Ich hoffe wieder jeden Tag auf das Wunder, dass du dich melden wirst, obwohl ich weiß, dass es eine Illusion ist.
Ich frage mich wieder, ob ich dir schreiben sollte. Ich denke darüber nach, dass deine Freude am letzten Treffen nur vorgespielt oder aus Anstand war. Wie solltest du dich auch ernsthaft freuen, wenn du es ein Jahr davor nicht geschafft hast, dich bei mir zu melden. Ich bedeute dir nichts mehr. Ich bin nur eine Erinnerung.

Ich möchte nicht zu einer hoffnungslosen Person werden, die der Liebe ihres Lebens nachtrauert. Aber das bist du für mich nicht und warst du auch nicht. Du warst mehr und leider bist du es immer noch. Du bist der große Bruder, den ich nie hatte. Der beste Freund für den man durchs Feuer gehen würde, egal was passiert. Ich würde es immer noch machen. Für dich. Aber du willst mich nicht. Meine Gedanken und Gefühle bedeuten dir nichts. Haben sie es jemals?

Stellt sich mir nun die Frage, was ich für dich war und was ich noch bin. Ich weiß, dass ich immer unwichtiger war als du es mir warst. Mir ist auch bewusst, dass ich jetzt noch viel weniger bin. Und vor allem bin ich viel weniger als mir lieb ist. Wenn ich dich richtig einschätze und die gemeinsamen Erlebnisse einbeziehe, war ich eine Freundin. Du behandelst deine Freunde sehr herzlich. Du hast es getan. Ich weiß auch, dass sich das nach mir noch weiter verändert hat. Weiterhin bist du ein Mensch für längere Beziehungen und möchtest etwas nicht einfach fallen lassen. Warum ließt du mich dann fallen? Ich denke, dass die Gründe, die du mir nanntest nicht die wahren sind. Ich erkläre mir dein Verhalten durch dein Studium und deine Entfernung. Du hattest plötzlich keine Zeit mehr für Freunde und da ich mit dir eine recht kurze Zeit verbracht hatte, fiel es dir leichter, mich gehen zu lassen. Es sind Vermutungen.

Was ist dieses Gefühl, welches ich jetz empfinde?
Wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich es nicht. Ich habe in meinem Blog oft versucht darüber zu schreiben, zu klassifizieren und es zu realisieren. Aber ich weiß es nicht. Es ist weder eine Freundschaft, der ich hinterher trauern würde, noch ein Liebeskummer, der nicht aufzuhören scheint. Es ist irgendwie mehr. Ich kann es nicht greifen. Für mich bist du ein äußerst wichtiger Mensch, auch wenn dich das nicht mehr interessieren mag. Es ist Schmerz, Trauer, Wunschvorstellungen und Verlust. Ich kann ohne dich leben, möchte es aber nicht.
Wie ich damit umgehen soll ist mir noch nicht bewusst. Mir würde es vermutlich kurzfristig gut tun, wenn ich dich kontaktieren würde und wir schreiben. Wenn du aber nicht zurückschreiben würdest oder Eigeninitiative ergreifst, würde ich merken, wie unwichtig ich bin. Ich bin es jedoch nicht.
Anderen bin ich wichtig und mir selbst auch. Also werde ich dir nicht hinterher laufen. Ich werde es versuchen.

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