Fehlerhaft. Was ist das eigentlich?
Ich lese gerade ein Buch, in dem es genau um diese Frage geht. Noch heute früh wusste ich nicht, wie man darin "fehlerhaft" definieren würde, doch die Geschichte fesselte mich so sehr, dass ich eine (fehlerhafte) Definition des Wortes "fehlerhaft" bereits entdecken konnte.
In der Geschichte wird das Mädchen verurteilt, obwohl sie sozial und gerecht gehandelt hat. Von ihrem Freund, wird sie "perfekt" genannt. Sie wird von vielen Anderen auch als solches gesehen. Das Mädchen aber findet sich zwar in deren Beschreibungen wieder, möchte selbst aber zugeben, dass sie "fehlerhaft" ist. Das alles ist so weit ein feiner Schachzug, wenn sie dafür nicht gebranntmarkt werden würde - nicht im übertragenen Sinne, sondern in dem mit Feuer und Eisen. Und diese schmerzhafte Prozedur wird von dem Vater ihres festen Freundes unterstützt.
Wiedergefunden habe ich mich in: der Liebe des Mädchens zu ihrem Freund und zu ihrer Familie, der Angst verurteilt zu werden und der Suche nach dem Logischen. Auch wenn ich anfangs etwas auf Distanz war, musste ich sehr bald weinen - was mir beim lesen meiner (schnulzigen) Bücher nicht all zu oft passiert. Ich musste das Buch weglegen und meine Gedanken wieder ordnen.
Ich komme also selbst zur Frage: "Was ist fehlerhaft?" oder besser: "Wann verhält sich jemand fehlerhaft?". Eine Frage, die ich mir sowohl im beruflichen als auch im privaten immer wieder stellen muss. Ich glaube, dass wir oft viel zu engstirnig sind und zu zeitig urteilen. Darüber hinaus verurteilen wir, ohne die andere Person wirklich zu kennen. Natürlich schützt es uns in Stigmata zu denken und Menschen in Schubladen zu stecken, aber verhalten wir uns damit nicht selber fehlerhaft? Macht uns das nicht ebenso (gemessen am Gegenüber) unperfekt?
Eine andere Frage ist: Wollen wir überhaupt perfekt sein?
Ich bin gerne fehlerhaft. Nicht immer natürlich - Manchmal wäre ich zu gern so perfekt, wie der ein oder andere in meinem Umfeld. Dann fällt mir ein, dass jeder von uns idealisiert. Wir dichten den anderen an, er sei perfekt, weil er unsere "Fehler" nicht hat. Er ist nur perfekt, weil er anders ist. Ich bin auch anders, also bin ich auch perfekt?
Ich möchte keine Antwort auf diese Frage. Denn ich möchte eben unter dieser Definition gar nicht erst perfekt sein. Perfektion ist eben subjektiv beurteilt. Für den einen bist du es, für den anderen nicht. Vor allem bist du es aber mal und mal auch nicht. Perfektion ist nur eine Sichtweise.
Warum ich daher fehlerhaft sein möchte:
Mein Knie ist von Natur aus fehlerhaft, meine Geburt war nicht gereade perfekt, meine Eltern haben Fehler gemacht, ich habe mich nicht immer richtig verhalten. Ich hätte hier eine lange Liste an Kritikpunkten anzuführen, die mich als fehlerhaft hinstellen können, aber das wäre auch völlig okay. Ich bin eben so und das ist auch gut.
Wenn ich wirklich perfekt sein möchte, dürfte ich nicht mehr ich selbst sein, müsste mich so geben, wie es andere sehen wollen, müsste ständig aufpassen, wer was von mir erwartet usw.. Ich würde mich nach und nach verlieren und wäre nicht mehr echt, aber das möchte ich nicht.
Ich stehe zu mir und zu dem Weg, den ich gegangen bin. Ich werde noch viele Fehler machen, aber das bin ich. Ich muss mit mir auskommen und zu mir stehen. Das kann ich nur, wenn ich versuche, ich selbst zu sein.
Wer mich begleiten möchte, gern (:
Aber Achtung: Ich bin nicht perfekt! Ich mache Fehler und bin fehlerhaft!
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