Montag, 26. Juni 2017

Mehr als ich konnte

Ich weiß noch nicht, wie das alles enden wird, aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.

Vor einigen Wochen hatte ich dich aufgenommen. Anfangs war ich sehr skeptisch, weil mir einige gesagt haben, dass ich das nicht tun müsste.
Ohne überlegen hatte ich dich zu mir in die Wohnung und somit in meine Privatsphäre gelassen. Mein Freund war nicht so recht begeistert, aber er verstand, dass ich es für meine Familie tun wollte. Ich konnte mir nicht nachsagen lassen, dass ich dir nicht geholfen habe, obwohl ich es gekonnt hätte.

Aber ich gebe zu, ich hatte Angst.
Ich glaube sogar, dass es berechtigt ist. Es ist nicht leicht seine eigene Mutter in deine Beziehung quasi zu integrieren. Es war anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig und auch ein wenig aufreibend, aber ich habe es für dich getan.
Nach ein paar Wochen gewöhnte ich mich daran, aber ich merkte, dass ich mehr und mehr zu Spannungen kam. Ich wollte mich auch nicht daran gewöhnen, weil ich weiß, dass mein Freund das auf Dauer nicht könnte und ich konnte es auch nicht. Es wurde mit einem Mal doch anstrengend. Ich dachte daran, dass ein Ende zu finden sein müsste und bereitete mich darauf vor.

Ich weiß noch nicht, wie das Enden wird, aber ich bin ehrlich stolz auf mich. Ich konnte meiner Familie helfen. Mehr als es selbstverständlich zu sein scheint. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe und trotzdem habe ich Angst. Angst vor dem Ende.
Wirst du es verstehen, dass es nicht mehr geht? Werde ich meine Beziehung ohne einen Streit darüber glücklich halten dürfen? Ich habe Angst vor Vorwürfen. Vorwürfe darüber, dass ich dir nicht ausreichend geholfen habe. Und ja ich habe ein schlechtes Gewissen. Warum? Ich weiß es nicht, denn eigentlich gibt es keinen rationalen Grund. Gefühle sind aber nicht rational.

Was wenn du das nicht verstehen kannst? Was wenn wir uns streiten? Werde ich trotzdem ein Danke hören oder wird diese Zeit nachträglich doch so einiges kaputt machen? Davor habe ich am Meisten Angst. Wie gesagt, ich hoffe, dass du es einfach verstehen kannst und ich dir nicht auf Dauer helfen kann. Ich habe mein eigenes Leben und muss mich darum kümmern.

Vielleicht klingt das alles ziemlich hart. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich merke nur, dass es mich wirklich beschäftigt und mich anfängt langsam zu zermürben und das musste ich beenden. Ich brauche klare Verhältnisse.
Ich wünsche uns einen angenehmen Übergang.

Danke Mami!

PS: Ich bin stolz auf mich. Sei du bitte dankbar. Mehr brauche ich nicht.

Samstag, 24. Juni 2017

Glücksgefühle am Vormittag


Glücksgefühle am Vormittag

Ich  weiß nicht, was heute anders ist, aber es gefällt mir.


Seit ich das erste Mal aufgewacht bin, fühle ich mich glücklich. Nicht vergleichsweise "normal glücklich", sondern irgendwie intensiver.


Als mein Freund heute früh von der Nachtschicht kam, war ich nicht sonderlich wach, da ich erst spät ins Bett ging. Dennoch war ich auch nicht im Halbschlaf. Ich nahm wahr, wie er das Zimmer abdunkelte und sich dann zu mir legte. Es war unfassbar schön. Seine Wärme zu spüren und sein Atmen zu hören. Er kuschelte sich kurz an mich heran, bevor er sich umdrehte.

Ich musste hinterher und ihn einfach in den Schlaf streicheln. Auch wenn ich das sonst auch gern mache, so war es heute besonders schön. Langsam vergaß ich beim Genießen der Situation weiter zu streicheln und schlief selbst noch einmal für eine Stunde ein.


Ich stand auf.
Es war nicht sonnig, aber auch nicht regnerisch draußen. Trotzdem erfreute ich mich sehr an der frischen Luft und ließ den ganzen Vormittag die Balkontür offen. Ich hörte überwiegend Autos. Zwischendurch vernahm ich Kinderlachen und auch mal den einen oder anderen Vogel. Ich musste oft lächeln. In meinen Lernpausen ging ich nach draußen. Ich vernahm die erste rote Sauerkirsche an dem Baum direkt vor meinem Balkon. Auch wenn ich vorher wusste, dass sie noch nicht reif war, musste ich sie probieren. Die Kirsche war verdammt sauer und auch noch ein wenig bitter. Ich musste Lachen. Meine eigene Blödheit musste aber auch bestraft werden.

                                                                                  
Bevor ich weiter lernte, musste ich nach meinem Freund schauen.
Ich weiß auch hier nicht warum, aber ich wollte ihn einfach nur kurz sehen. Ich stellte mich in die Schlafzimmertür und beobachtete ihn etwa eine viertel Stunde beim Schlafen. Am Liebsten wäre ich zu ihm ins Bett gekrochen und hätte mich an ihn geschmiegt, aber dann hätte ich ihn geweckt. ... Und es sah so süß aus wie er schlief. Ich verspürte ein starkes Kribbeln im Bauch. Es ist unfassbar, was dieser Mann mit mir macht.


Noch nach 1,5 Jahren verspüre ich ein so starkes Kribbeln im Bauch, wie ich es zuvor nicht mal in einer Kennenlernphase hatte. Ich glaube einfach, dass wir uns endlich gefunden haben. Es ist nicht erklärbar, warum gerade mein erster Freund der Richtige sein soll, aber es scheint einfach der Mann für mich zu sein.


Der ganze Vormittag verlief trotz Uni-Stress ganz gut und ich hatte immer wieder Glücksmomente und ein Lächeln im Gesicht. Ich glaube, das wird mein Wochenende. Ich freue mich schon darauf!