Dienstag, 24. Januar 2017

Einmal sehen wir uns (wieder)

Lieber Opa __ ,

Ich habe dieses Lied gehört. Dir wurden deine letzten Minuten auf der Erde mit diesem Musikstück geschenkt bevor du von hier gegangen bist. Leider viel zu früh.

Ich hätte mir für dich gewünscht, gesund deine Enkel aufwachsen zu sehen. Ich kenne dich kaum und trotzdem bringt es mich oft zum weinen, dass du nicht mehr hier sein kannst.

Du wärst so stolz auf ihn. Es ist erstaunlich, wie er sich gemacht hat und was er erreicht. Und trotz seines erfolgreichen und schönen Lebens fehlst du ihm so unendlich. Vielleicht auch gerade deswegen. Er würde sein Leben so gern mit dir teilen und ich auch. Wenn er von dir redet, ergreift es mich mit einer Tiefe, die ich nicht erklären kann. Im Nachgang weine ich oft im Stillen, weil dieses Vermissen von ihm auch mich vermissen lässt.

Du kennst mich nicht, aber ich möchte dir danken.
Du gibst mir das Gefühl immer da zu sein und über sie zu wachen. Über deine Familie, die dich so unendlich vermisst. Danke, dass du Kräfte entfalten kannst und deinen Lieben die Wärme gegeben hast, die dein Körper leider verlieren musste. 

Ich hätte dich gern kennengelernt und ich weiß, wie wichtig das für deinen Enkel gewesen wäre. Ich frage mich, ob du mir deinen Segen gegeben hättest, in eure Familie einzutreten.

Ich danke dir für das Gefühl, welches ich spüre immer wenn ich an dich denke. Ich bin mir sicher, dass du einer der wundervollsten Menschen auf dieser Welt warst.

Ich verspreche dir absolut aufrichtig zu lieben und zu kämpfen solange ich kann, denn das ist das mindeste was ich für dich erwiedern kann.

In engster Verbundenheit
S.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Zugbegegnung

Es ist früh 7 Uhr morgens.
Ich steige nach einer schlaflosen Nacht in den Zug ein und hoffe, dass ich nicht der Person begegne, die mich ein wenig verfolgt hat. Zumindest fühlte ich mich verfolgt.
Ich suche einen Platz in Fahrtrichtung. Als ich einen fand, plazierte sich eben ein Mann diesem Platz gegenüber. Er fragte mich, ob er seinen Rucksack wegnehmen solle. Ich verneinte mit der Äußerung: "Lassen Sie ihn stehen. Ich stelle meinen dann einfach neben Sie.". Er lächelt mich an und ich wundere mich. So viel Aufmerksamkeit habe ich von einem Zugpassagier absolut nicht erwartet, wo doch gerade um die Uhrzeit fast ausschließlich laute,  nervige und rücksichtslose Berufsschüler sitzen. Ich freue mich also einfach nur. Während  dieser Gedanken schaue ich den Mann vor mir an. Er ist unglaublich groß, hatte lange lockige Haare und etwas Bart. Er erinnert mich an einen fernen bekannten, doch diese Ähnlichkeit wird auf einmal verdeckt. Verdeckt von seinem Eigengeruch. Es ist verrückt. Dieser Geruch erinnert mich plötzlich an jemand ganz anderen. Dieser prägende süßliche Duft einer ehemals sehr vertrauten Person. Auf einmal habe ich ganz andere Gedanken. Mich fängt der Kampf zwischem einem Einatmen und mich erinnern oder zwischen flachem Atmen, um mich eben nicht erinnern zu müssen. Die Fahrkartenkontrolle holt mich aus diesen Gedanken... Zumindest fast, denn meine Nase atmet ein... Es ist krass. Wirklich verrückt. Ich habe diesen Geruch noch nie an einer anderen Person vergleichen können. Ich schaue auf das mäppchen, dass er heraussucht, um seine Fahrkarte zu finden. Hellblau. Ein niedliches blau... Ich weiß nicht, was mir durch den Kopf geht.
Abbruch... Der Zauber ist weg. In seinem mäppchen befindet sich Tabak und Hüllen zum Drehen von Zigaretten. Er hätte das nie gemacht. Nicht vor mir. Nichtmal in Gedanken kann ich mich damit anfreunden.

So endet der Moment, ich atme tief ein und rieche nichts mehr. Absolut nichts außer mein Parfum. Der Tag beginnt und ich bin plötzlich hellwach.