Einen Abend haben wir über meinen Laptop gemeinsam "Findet Nemo" geschaut. Wir lagen nebeneinander auf dem Bauch und irgendwann legte er seinen Kopf auf meine Schulter. Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Es fühlte sich an als wäre er mein kleiner Bruder, wobei dieser nun schon älter ist und wir leider nicht mehr so viel unternehmen.
Ich fühle mich in der Wohnung wohl und kenne mich langsam aus, wo was steht und was wann gemacht werden muss. Ich kenne seine Großeltern und hatte das Gefühl dort gern gesehen zu sein. Dabei hat ein Gespräch das geändert.
Mein Freund sagte mir, dass seine Oma das Gefühl habe, dass ich ihn verbessere und ihn vereinnahme. Er hätte nichts zu melden... Aber das ist absoluter Irrsinn. Wenn wir etwas erzählen, dann verbessere ich ihn, aber nur weil es so aus mir quillt und ich eben so bin. Ich bin manchmal auch ein wenig frech, aber er weiß ja wie ich das meine. Ich bin eben so... Kommt das wirklich so dominant, nur weil man lebhaft ist und etwas sagen möchte? Sollte ich mich zurück nehmen? Wenn ich so vereinnahmend bin und er nichts zu sagen hat, warum ändere ich dann Gewohnheiten, breche Kontakte weitestgehend ab und frage ihn nach seiner Meinung? Warum sollte ich das tun?
Was ist aus der Zeit geworden, an der wir harmonisch rüber kamen? Gefühlsmäßig hat sich bei uns nichts geändert. Oder hat seine Familie Angst, weil ich die erste intensive Beziehung für ihn bin? Ich beginne darauf zu achten, was ich sage und wie ich rüber komme. Ich beginne mich zu verstellen. Ich bin ängstlich. Ängstlich davor, dass ich wirklich irgendwann nicht mehr ich bin.
Ich weiß, dass ich mich nicht ändern soll. Manchmal denke ich auch gar nicht nach, aber ich kann es nicht aufhalten, dass es mir in den Sinn kommt. Ich wünsche mir, dass ich dieses Gespräch nicht gehabt hätte... Oder werde ich nochmal mit der Oma reden? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall scheine ich jetzt angekommen zu sein, egal ob gut - oder negativ.
Sein Vater meint auch, dass er nichts zu melden habe... Aber wenn einem alles soweit egal ist und der andere Organisationstalent hat und etwas erleben möchte, ist es doch richtig, dass man für einander handelt. Oder? Ich bin ratlos. Bin ich so ein schlimmer Mensch? Nur weil ich weiß, was ich will oder besser, was ich nicht mehr will? Ich bin skeptisch.
Ich bin froh, dass ich ihn habe. Er ist genau das, wonach ich gesucht habe. Sanft, immer da und herzlich - aber auch in-den-Arsch-tretend, ehrlich und ermutigend. Verschmust, gemütlich, Nähe-suchend - aber auch actionreich, fleißig und Freiraum-gebend. Er ist nahezu perfekt, objektiv betrachtet. Subjektiv gesehen ist er perfekt für mich. <3 Ich fühle mich wohl. Ich bin angekommen.