Die Zeit rennt. Chaos im Kopf.
Studentenleben. Ich habe jede "freie" Minute mit Lernen zu tun. Ich muss etwas ausarbeiten, etwas vorbereiten oder eben etwas schreiben. Es ist ein undurchschaubares Chaos, in dem ich mich für einen Monat befinde. Den Rest des Semesters kann man eigentlich ganz entspannt selbst entscheiden. Jedoch war es dieses Semester sehr schwer, seine Ruhe zu finden. Ich konnte mir kaum Zeit nehmen.
Prüfungsvorbereitungen, Lernen und zwischendurch gerade einmal 2 Tage, um sich zu "erholen".
An einem Wochenende erlebt man für gewöhnlich nicht so viel. Ich muss jedoch sagen, dass ich in einer Zeit, in der jede Stunde fortläuft noch bevor sie überhaupt da war, sehr viel erleben kann.
Zwei Stunden Ruhe, Zeit für sich, einen Ausgleich finden. Das ist es, was mein Leben gerade sehr erhellt.
Mein letzter Ruhepol war mein Wochenende. Neben dem Lernen hatte ich Zeit mit einem mir sehr wichtigen Menschen, während ich zwei andere ein Stück weit verlor.
Ich empfinde es als Stress Menschen zu verlieren, nicht mich um sie zu sorgen. Menschen, die mir wichtig sind verlor ich dieses Semester leicht wenn nicht gar sehr aus den Augen. Nur manchmal stieß ich auf Verständnis. Ich frage mich, ob es schwer ist, sich auch mal eine längere Zeit nicht zu schreiben und sich trotzdem gern zu haben. Ich meine, warum sollte die Beziehung zwischen zwei Menschen mehr bedeuten, nur weil sie sich jeden Tag sehen oder schreiben. Ich meine wenn man auf irgendeine Weise quantitativ kommuniziert, muss man doch nicht die Qualität verbessern. Mir wäre es persönlich lieber auf Smalltalk zu verzichten und sich dann zu melden, wenn man wahrhaftig an den anderen denkt und ihn vermisst. Aufrichtig statt oft. Nur scheint dieses Motto nicht zu funktionieren seit dem es moderne Medien gibt, die eine sofortige Kommunikation zu so ziemlich jeder Person möglich machen.
Am Wochenende traf ich eine dieser Personen, die ich eigentlich schon verloren hatte. Dies aufgrund begrenzter Zeit und mangelnder Fähigkeit, die Beziehungsgestaltung aufrecht zu erhalten. Er interessierte sich an diesem Wochenende dennoch für mich. War es, weil er mir so wichtig war oder blieb etwas dieser Freundschaft auch ohne den gewohnten Kontakt bestehen? Oder tat er es, weil wir uns sahen und über die Häuchlerei der Medien hinweg kommunizierten? Egal wie - Es tat auf jeden Fall gut, mal wieder eine echte Begegnung zu haben.
Auch gegenteilige Erfahrungen musste ich an diesem Wochenende machen. Es gab Menschen, die sich nicht so leicht verhalten konnten. War es dort der Stolz, eine Kränkung oder Missverständnisse, die die Beziehung veränderten? Es tat alles andere als gut. Es verletzte mich zu sehen, dass ein wahrhafter Versuch nicht als solches wahrgenommen werden kann, wenn er über mobile Kommunikation geäußert wird. Es sollte vielleicht auch daran liegen, dass diese Medien uns entfremden und uns echter machen können. Wir brauchen nicht höflich sein, uns einer Rolle unterwerfen. Wir sagen- oder besser schreiben - was wir wollen, weil wir die Reaktion nicht selbst mitbekommen müssen. Es verletzt auf jeden Fall, sich in eine Hoffnung zu betten und statt einem Bett nur den harten Boden zu bekommen.
Neben den Verlusten oder Gewinnen durch verschiedene Kommunikation, konnte ich auch etwas Spaß haben. Ich habe, da ich keinen eigenen Sport machen kann, bei einer Sommersportart zugesehen. Ich begleitete auch meine Familie bei einem Kindergeburtstag. Es war wundervoll unter Menschen zu sein und etwas zu erleben. Ich wurde immer begleitet von meiner unglaublich großen Stütze. Er schenkte mir fast schon dieses einigermaßen erholsame Wochenende. Es war so schön, dass ich einen Moment sämtliche Unsicherheiten vergessen konnte.
Ich dachte weder an Uni, noch viel an meine Gesundheit, noch an Probleme mit einigen für mich wichtigen Personen. Aber all diese negativen und stressigen Sachen holen mich heute wieder ein.
Die Prüfung laugte mich aus, eine nächste steht bevor. Eine Hausarbeit wartet noch - nein eigentlich zwei. Und dann noch eine Prüfung. Schulstress.
Arzttermine warten. Gesundheitliche Unsicherheiten und einige Routineuntersuchungen. Es ist fraglich, wann diese Arzttermine ein Ende nehmen.
Soziale Verluste, wobei ich ungern von Verlust rede, so als ob uns dieser Kontakt gehörte. Damit verbundener Schmerz. Unsicherheiten wegen einer an Weihnachten verbreiteten Lüge? Oder ist meine Herkunft wirklich unsicher? Es sind Unsicherheiten.
Und nebenbei die ungewisse Zukunft. Es ist Stress, der mir Chaos im Kopf verbreitet und ich sehne mich schon nach meiner nächsten Pause, die ich mir nehme. Eine Pause, die ich mit Menschen erfüllen möchte. Eine lebendige Ruhe.
Chaos im Kopf fordert Pause.
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