Vertrauen schenkt man Menschen dann, wenn man sie gut kennengelernt hat und sie einzuschätzen weiß. Man ist sich meist darüber bewusst, welche Wirkung sie auf einen haben und was sie für einen machen würden. Manchen Mitmenschen vertraut man sehr schnell, weil man ähnliche Situationen (meist negative) durchlebt hat oder weil sie einem selbst einfach ähnlich sind. Andere kämpfen über Jahre um unser Vertrauen.
Bei mir ist es meist ein Bauchgefühl, was mich bisher nicht enttäuschte. Anhand eines Treffens hatte ich ein Bauchgefühl und war mir meist sehr zeitig im Klaren, wem ich vertrauen kann. Es kam vor, dass ich bei anfänglicher Unstimmigkeiten eines Besseren belehrt wurde und ich demjenigen doch vertrauen konnte. Vertrauen kann aber auch gebrochen werden. Jeder von uns durfte so etwas schon einmal erleben. Eine Freundin, die etwas weitersagte. Ein Geliebter, der uns verletzte und falsch darstellte. Eine Person, die uns nachhaltig enttäuschte. Doch woran messen wir Vertrauen?
Ist Vertrauen in andere Menschen das Gefühl, was uns entscheiden lässt, was wir wem erzählen? Ist es die zwischenmenschliche Beziehung, die uns bei gewissen Menschen so zeigt, wie wir sind - ohne uns verstellen zu müssen? Oder ist es ganz simpel, der Glaube in eine Person, dass sie zuverlässig und verlässlich ist?
Meiner Meinung nach ist das Vertrauen in Jemanden sowohl die von uns wahrgenommene Verlässlichkeit, als auch das Gefühl über die Sicherheit unserer Worte und Handlungen in Anwesenheit dieser Person. Das Vertrauen beeinflusst die Zwischenmenschlichkeit, was uns anfangs nur als Bauchgefühl und später als fester und möglicherweise begründeter Teil unseres Empfindens für den Gegenüber erscheint. Wir bauen eine Bindung auf, die je nach dem Grad der Vertrautheit schneller oder langsamer gefestigt wird - oder bei Verlust des Vertrauens zerbricht.
Doch kann man das Vertrauen in eine Person verloren haben und später schneller wieder aufbauen können als bei Fremden? Oder hat man zu manchen Menschen aufgrund von vergangenen Empfindungen ein gewisses "Restvertrauen"?
Ich habe die letzten Tage sehr intensiv darüber nachgedacht, weil das Ende meiner ersten Beziehung 7 Jahre her ist, ich jetzt aber wieder Kontakt mit dieser Person habe. Damals hat er mich ziemlich stark verletzt und er war naiv und dumm. Wir waren Kinder und dennoch hat er mein Vertrauen verletzt. Ich hatte einige Zeit danach einmal versucht Kontakt zu ihm wieder aufzubauen, aber er blieb in meinen Augen sehr arrogant und uneinsichtig.
7 Jahre nach der Trennung sind wir nun beide unglaublich weiter gekommen und haben uns sehr verändert. Dennoch konnten wir innerhalb einer Woche schriftlichen Kontakt unser vollstes Vertrauen in den anderen wiederfinden. Obwohl wir uns jetzt nach 7 Jahren kaum noch kennen müssten, fühlt es sich für uns beide so an, als wäre kaum Zeit dazwischen gewesen. Bei unserem ersten Wiedersehen sprachen wir über die intimsten Sachen, erzählten uns alles Wichtige und konnten sofort zu einander finden. Diese Vertrautheit überrascht uns beide und dennoch war es sehr angenehm. Körperlich standen wir uns auch näher als so manchen Freunden, die wir gerade einmal zur Begrüßung umarmen. Ich weiß nicht was sich aus dieser Vertrautheit noch entwickelt, aber ich freue mich sehr darüber, dass es uns gelungen ist, so miteinander umzugehen. Man könnte sagen, dass die erste Liebe immer etwas besonderes ist, korrekt, aber ist dann nach so vielen Jahren wirklich so oft so viel Vertrauen wieder da?
"Nichts schuf engere Vertrautheit als Schweigen" - Graham Greene
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen