Früher dachte ich einmal, oder eigentlich anhaltend, dass es darauf ankommt, in jedem Moment glücklich zu sein. Dass man das macht, was einen glücklich in dieser Zeit macht und es ändert, sobald es unangenehm wird. "Mach das, was dich glücklich macht", wurde mir durchaus ans Herz gelegt. Also versuchte ich, dies zu "erfüllen" und immer Frohsinn zu zeigen und das Leben zu genießen. Ich habe vollkommen missverstanden, was es heißt glücklich zu sein.
1. Ich definierte Glück falsch
Zum Ende der Pubertät, als junge Erwachsene und nach meiner gefühlt hundersten Beziehung dachte ich wieder einmal, mein Glück gefunden zu haben. Und mal wieder hatte ich mich getäuscht, weil ich zu sehr im Moment gefangen war. Darin und in meinem Selbstmittleid. Ich redete mir ein, dass ich Glück mit einer Person in meinem Leben habe, weil ich dachte, es nicht besser verdient zu haben. Ich war der festen Überzeugung, dass meine Idee von Liebe nur ein traumhaftes Idyll sein kann. DIE Liebe und DAS Glücklichsein gibt es nicht und wenn, dann hätte ich sie nicht verdient.
Aber wer hat denn gesagt, dass nur der Partner einen glücklich machen kann?
2. Ich lebte zu sehr im Moment
Für mich war es einfach nur dann schön, wenn es aktuell schön war, aber es kann für mich mit Mitte 20 auch mal kompliziert oder herausfordernd und trotzdem traumhaft sein. Ich habe (mal mehr, mal weniger) erkannt, dass Glück sich vor allem auch in schwierigen Situationen zeigt. Nämlich dann, wenn andere dich aufgegeben hätten. "Freunde" oder "Traummänner" oder "perfekte Elternteile" eingeschlossen. Es kommt nicht darauf an, dass immer alles perfekt ist. Man muss auch für das Glück kämpfen und eben auch einmal aushalten, wenn es gerade nicht rosarot scheint. Dies muss man mit anderen Menschen aushalten, aber eben auch für sich allein.
Denn wer hat gesagt, dass man immer wunschlos zufrieden sein muss, um glücklich sein zu können?
3. Ich traf feige oder gar keine Entscheidungen
Das Leben, das man sich wünscht, kommt einem nicht einfach so zugeflogen. Man muss sich für dieses Leben entscheiden. Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass ich aktiv etwas für mein Glück tun muss. Ich muss an Beziehungen und vor allem an mir arbeiten. Es geht nicht darum, was man in einem Moment denkt oder fühlt, sondern für welchen Weg man sich entscheidet, um sein Glück zu suchen und schließlich hoffentlich zu finden. Früher konnte ich das nicht. Ich war ein Stück weit beziehungs- und kritikunfähig. Ich fühlte mich schnell verletzt oder gar angegriffen und definierte mich sehr über andere. Ich ließ es halt einfach mit mir passieren. Entweder hatte ich Glück, oder ich hätte es nicht anders verdient. Ich traf schon Entscheidungen, aber eher kurzfristige, fast schon impulsartige Trotzreaktionen, um nicht auf der Stelle zu stehen, um nicht eingeengt zu werden oder um nicht die Kontrolle abgeben zu müssen. Es kam mir darauf an, dass ich mich in diesem einen Moment der Entscheidung gut, überlegen und vor allem selbstbestimmt fühlte. Ich ließ mich von Momentaufnahmen wunderbarer oder auch mal grausamer Gefühle leiten.
Kommt es nun aber wirklich auf ein Gefühl an oder ist es viel mehr die Frage "Wie möchte ich leben, um glücklich zu sein"?
Ich verstehe auch, dass ein aktueller Lebensentwurf einen selbst mit der Zeit eben auch unglücklich machen kann und dass man mit jedem Reifeprozess auch eine Anpassung der Werte- und Normenvorstellung vornimmt. Allerdings habe ich einen groben "Plan" (sofern man das Leben planen kann) von dem, was ich einmal für mich erreicht haben "muss". Eine Lebenseinstellung, von der ich meine, dass sie mich definiert und an der sich in den letzten 10 Jahren, also seit meiner Pubertät, nichts geändert hat. Zehn Jahre sind nicht genug, um zu wissen, was ich einmal in meinem Leben möchte, aber es zeigt mir, was ich vielleicht in der nächsten Dekade erreicht haben möchte, um mein Glück zu fassen.
In den letzten - sagen wir - zwei Jahren kam ich immer wieder an den selben springenden Punkt. Ich machte mir Gedanken, ob ich in diesem Moment gerade so glücklich bin, wie ich es mir vorgestellt habe. Meist kamen die Überlegungen zu bestimmten Phasen meines Monatszyklus oder auch nach größeren Herausforderungen in oder mit meinem persönlichen Umfeld. Ich bekam meine Träume durch andere Personen zu Gesicht und fand, sie hätten mir besser gestanden als den jeweiligen Personen. Schamhaft, dass ich Anderen das Glück teilweise nicht gönnen wollte, weil ich einen Teil meines Glücks nicht bereits bekommen hatte. Dabei liegt das Problem nicht bei den anderen oder auch nicht daran, was ich über andere Personen denke - Es liegt in mir. Ich wünsche mir Dinge, die bisher nicht erfüllt wurden und entwickelte einen Schutzmechanismus, wiedereinmal.
Ich wollte nicht gezeigt bekommen, dass ich nicht alles kontrollieren kann.
Ich wollte nicht erkennen, dass ich viel mehr auch an mir arbeiten muss(t)e.
Ich wollte nicht, dass ich Entscheidungen für mein Glück treffen muss.
Langsam erahne ich eine Antwort.
Ich brauche keine Perfektion - und es ist wirklich eigenartig für mich hier aufzuschreiben, dass nicht alles perfekt sein muss. Aber ich brauche echte Gefühle, echte Menschen und echte Kritik. Das Glück besteht für mich darin, was ich mir für ein Leben wünsche und ich kann sagen, dass ich ein echtes möchte.
Echte Beziehungen mit Problemen, Hürden und Kompromissen;
Echte Kritik mit der ungeschönten Wahrheit statt "rosarot";
Echte Chancen an mir selbst zu arbeiten statt geschönter Welt;
Echtes Glück und keinen rosaroten Kitsch mehr.
Es kommt nicht auf dieses eine Gefühl in dem x-beliebigen Moment an, sondern auf meine Antwort auf die Frage, wie ich leben möchte.
Ich habe noch viel zu tun auf dem Weg, mein eigenes Glück zu finden, denn ich habe mir vorgenommen, nicht mehr so schnell aufzugeben und kalte Füße zu bekommen, wenn mir etwas Angst einjagt. Ich habe mir vorgenommen, zufriedener mit mir selbst zu werden. Das Leben ist verlockend mit all seinen Möglichkeiten, mit all den Träumen und Traumwelten. Das Leben ist tückisch mit all seinen Hürden, mit all den Schmerzen und Erfahrungen und Einschätzungen. Man kann für sich ständig umentscheiden, sich neu finden und sein Glück an anderer Stelle erhoffen, aber am Ende zählt nur die Antwort auf diese eine Frage:
Welches Leben möchtest du wirklich führen?
Suche die Antwort und fange an dafür oder vielmehr daran zu arbeiten. Gib nicht auf, es findet sich ein Weg.