Persönlicher Tagebuch-Blog von jeuneetbelle Es sind hauptsächlich persönliche Eindrücke und Erlebnisse geschildert. Ich lade jeden ein, der sich hier rauf verirrt hat oder bewusst gesucht hat, mir Kommentare zu schreiben oder einfach stiller Leser zu sein. Viel Erfolg beim Lesen!
Montag, 20. Januar 2020
Seit einiger Zeit - Selbstliebe
Seit mehr als vier Jahren blogge ich mittlerweile, weil ich nicht schweigen möchte - so möchte man zumindest dem Titel meines Blogs nach urteilen. Für mich ist es aber mehr als das. Es ist mein Tagebuch für Situationen oder Gefühle, für die ich manchmal keinen Ausweg weiß. Gelegentlich gibt es Themen, die ich vorerst nicht ansprechen kann, sie mich aber trotzdem belasten. Genau dann hilft es mir, mich freizuschreiben. Dennoch - in der Tat ist es bei manchen Themen eben so, dass ich sie nicht benennen möchte und gleichermaßen nicht schweigen kann.
Seit einem halben Jahr habe ich keinen Eintrag mehr verfasst. Die Tatsache, dass ich weniger schreibe, zeigt mir wie unbeschwert ich geworden bin im Großen und Ganzen. Vielleicht bin ich aber auch einfach offener geworden und vertrete mich selbst - nicht mehr still in einem Blog, sondern auch in der Realität. Ich hatte eine Situation im Sommer, meine "Mitten im Leben"-Story, die ich gern gebloggt hätte, nur leider war diese Zeit so nervenaufreibend und gejagt von ständig aufkommenden Neuigkeiten, dass ich nicht hinterher kam, die richtigen Worte zu finden, um hier etwas zu schreiben. Unter anderen Umständen liegt es zum Teil aber auch daran, dass ich weniger Zeit zum Nachdenken habe. Nach dem Job komme ich nach Hause und freue mich einfach über meinen Alltag.
Seit über einem Jahr nehme ich die Pille nicht mehr. Mitunter könnte auch mein ausgeglichener Hormonhaushalt ein Grund dafür sein, dass ich mich in meiner Haut aktuell doch recht geborgen fühle. Ich habe ein starkes Bauchgefühl entwickelt und entdecke immer mehr, was mich glücklich macht. Ich erkenne meine Sehnsüchte und Wünsche.
Seit mittlerweile fast vier Jahren habe ich meinen wundervollen Partner, der mich so akzeptiert, wie ich bin. Meinen Partner, der mich nicht einschränken möchte, mich aber auch gerne mal in die Schranken weist. Das "Geheimnis" unserer Beziehung ist wohl die Kommunikation. Wir können über alles reden, wenn auch nicht immer sofort, aber bevor die Nacht eintritt, müssen wir uns einen wohlwollenden Gute-Nacht-Kuss geben können.
Seit meiner Kindheit sehne ich mich nach einem Leben, in dem nicht durch Andere bestimmt wird, wo ich wohnen soll, was ich machen soll oder wen ich jetzt mögen soll. Ich wollte mit fortschreitendem Alter wichtigere und vor allem eigene Entscheidungen treffen dürfen. Meine Vergangenheit zeigt mir, dass ich es in meiner Jobwahl, meiner Wohnsituation und meinen Essgewohnheiten immer hinbekommen habe (- das Thema Magersucht lassen wir hier mal außem vor, da ich vor allem auf den Vegetarismus anspiele). Es gab jedoch seit meiner ersten toxischen Beziehung wenig bewusste Entscheidungen für mehr Selbstliebe. Ich wollte durch Andere geliebt werden und vergaß durch all die Sehnsucht nach Anerkennung von meinen gegenwärtigen Lebensabschnittsgefährdungen mich selbst zu lieben.
Seit meinem letzten Blogpost - ziemlich genau sogar - habe ich mich bewusst dazu entschieden, mehr für mich selbst zu tun. "Miss Unabhängig" nannte mich mein Partner ja so oder so bereits, da konnte er gut einschätzen, was ich wohl brauchte. Ich bin seit dem letzten Sommer dabei, mir Raum für meine Selbstliebe zu nehmen. Ich fokussiere mich auf eigene Bedürfnisse, fordere mir Zeit für mich ein und lerne mich seither intensiver kennen. Aktuell treibe ich wieder etwas Sport, ernähre mich etwas gesünder und befasse mich mit meiner Psyche. Das Neue daran ist: Es ist nicht, weil ich mich zu dick fühle. Ich mache es, um meinem Körper näher zu kommen, meine Grenzen zu spüren und um mir mehrmals in der Woche etwas Gutes zu tun. Ich habe es gelernt, anzusprechen, was ich möchte und für meine Ideen zu kämpfen. Und was soll ich sagen - mir geht es verdammt gut.
Seit ewiger Zeit hatte ich kein so perfektes Wochenende mehr, wie das vergangene. Es war einfach wunderschön. Ich hatte mich für mich selbst stark gemacht und mir den perfekten Samstag geplant. Zeit mit der Familie, Zeit für mich, Adrenalin beim Zusehen des Handballspiels, Zeit mit Freunden und das mit dem Rückhalt meines Partners. Er half mir, meinen Tag zu planen und am Ende war es unser Tag, obwohl wir viel Zeit getrennt voneinander verbrachten für einen gemeinsamen Tag. Es herrschte Harmonie und wer mich kennt, der weiß, wie wichtig dieses Gefühl für mich geworden ist, seit ich damals meinen besten Freund unabsichtlich verletzt und ihn eine zeitlang "verloren" hatte. Nun ist dieser Freund auch einer der Gründe, weshalb dieses Wochenende so zauberhaft wurde. Ich werde noch eine Weile davon zehren können. Den Sonntag verbrachte ich überwiegend allein ohne meinen Partner. Es war einer der ersten Momente seit einiger Zeit, in denen ich mich nicht allein gefühlt habe, sondern in bester Gesellschaft. Ich genieße die Zeit mit mir.
Seit dem ich diese Zeit mit mir selbst genieße, intensivieren sich auch meine anderen Freuden des Lebens. Die Redewendung, dass man anderes nur dann wirklich wahrhaftig lieben kann, wenn man sich selbst liebt, scheint mir daher fortlaufend vertrauter zu werden. Vielleicht bin ich auch aufgrund des Trainings meiner Selbstliebe etwas glücklicher als zuvor. Wie auch immer: Seit einiger Zeit genieße ich mein Leben trotz all der Unberechenbarkeiten des Alltags. Ich erlebe viel und auf einiges Chaos könnte ich verzichten, aber ich mag mein Leben und vor allem mag ich mich.
Ich danke jedem Freund, jeder Freundin und jedem Teil meiner Familie - meinen Partner eingeschlossen - für die Unterstützung und die manchmal sehr harten, aber ehrlichen Worte, die mich ermutigt haben, endlich zu mir zu stehen und ein eigenes glückliches Individuum zu werden, das nicht mehr abhängig von Menschen sein muss - nur gelegentlich möchte. Mit euch an meiner Seite bin ich gern "Miss Unabhängig".
Abonnieren
Kommentare (Atom)